Volles Haus in der Grugahalle
Bei eisigen Temperaturen besuchten am 8. Februar 4.000 Haus & Grund-Mitglieder den Essener Haus & Grund-Kongress 2012.
Falkobert Obst, Vorstandsvorsitzender von Haus & Grund Essen freute sich über die große Resonanz. In seiner Begrüßung wies er darauf hin, dass Politik und Justiz seit Jahrzehnten dafür sorgen, dass die Vermietung von Wohnraum wirtschaftlich immer unattraktiver und für juristische Laien, die noch an das Gute im Menschen glauben, immer schwieriger geworden sei. Beispielhaft nannte er missglückte Vorgaben zum Mietrecht im BGB sowie die höchstrichterliche Rechtsprechung zu Schönheitsreparaturen. „Wir freuen uns, dass wir mit unseren heutigen Kongress-Themen Ihr Interesse gefunden haben. Zeigt dies doch, dass wir die richtigen Themen ansprechen“, führte Obst aus. Zudem betonte er die Kompetenz von Haus & Grund als politischen Vertreter der Eigentümerinteressen und als Berater der einzelnen Eigentümer in allen Rechtsfragen, die mit der Bewirtschaftung einer Immobilie verbunden sind.
Rechtsanwalt Dr. Kai Warnecke, stellvertretender Generalsekretär Haus & Grund Deutschland, befasste sich nachfolgend mit dem von vielen Eigentümern befürchteten Phänomen des Mietnomadentums. Praktische Tipps, im Vorfeld des Abschlusses eines Mietvertrages bereits unlautere Vertragspartner zu erkennen, stießen auf großes Interesse. „Bereiten Sie sich professionell vor, damit der Mietnomade keine Chance hat“, war seine Botschaft. Neben der Prüfung der persönlichen Daten eines Mietinteressenten aus dem Personalausweis empfahl er eine vom Mieter schriftlich vorzulegende Selbstauskunft und die Durchführung des Haus & Grund SolvenzChecks. Ferner riet er dazu, unverzüglich beim Auftreten von Zahlungsverzögerungen die Rechtsberatung des örtlichen Haus & Grund-Vereins aufzusuchen, um mit entsprechender Unterstützung sofort größeren Zahlungsrückständen vorzubeugen. Neben diesen Praxistipps stellte Dr. Warnecke auch mögliche mietrechtliche Veränderungen des Gesetzgebers zu Mietnomadentum und Erleichterung energetischer Sanierungen vor.
Direktor Volker Behr, Mitglied des Vorstandes der Sparkasse Essen und zugleich des Vorstandes von Haus & Grund Essen zeigte in seinem Vortrag die Zusammenhänge und Mechanismen der aktuellen Euro- und Wirtschaftskrise auf. Die Sorge vieler Menschen um ihr Erspartes und eine sichere Geldanlage bringt die Notwendigkeit einer individuellen Analyse von Anlagestrategien mit sich. „Eine individuelle Beratung und Analyse der Risikobereitschaft des Anlegers sowie der Risikostreuung der Vermögensanlage ist zwingend notwendig, um eine seriöse Beratung zu gewährleisten“, so Behr, der in seinen Betrachtungen auch die Immobilie als Kapitalanlage nicht unberücksichtigt ließ. Als abschließenden Tipp übermittelte Volker Behr mit einem Augenzwinkern das Zitat des mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Erfinders der Portfolio-Theorie Harry Markowitz: „Nicht alle Eier in einen Korb legen“.
„Wer von Ihnen hat einen echten van Gogh im Wohnzimmer? Oder haben Sie einen sechsstelligen Betrag auf dem Küchentisch oder dem Schreibtisch liegen?“, fragte Uwe Müller, Kommissariat Vorbeugung des Polizeipräsidiums Essen / Mülheim an der Ruhr und machte nachfolgend deutlich, dass Haus- und Wohnungseinbrüche jeden und nicht nur besonders wohlhabende Menschen betreffen können. „Ein Täter, der am Tag fünf Wohnungseinbrüche verübt und Beute im Wert von je 200 € macht, verdient 1.000 €“, rechnete er vor. Mit sachkundigen Tipps zu mechanischen Einbauten, die Fenster und Türen sicherer machen, zeigte er auf, dass allein die Erschwerung des Eindringens den Täter dazu veranlassen kann, ein anderes Tatziel auszuwählen. Am Ende seines Vortrages, in dem er auch Verhaltenstipps in Einbruchssituationen gab, bei denen der Wohnungsinhaber anwesend ist, lud er die Zuhörer zu individuellen Beratungsgesprächen in die Diensträume des Kommissariates Vorbeugung ein, in denen seine Kollegen und er individuelle Beratungen markenneutral an Anschauungsobjekten durchführen können, Dort werden neben mechanischen Sicherungseinrichtungen auch elektronische Sicherungssysteme und individuelle Konzeptlösungen vorgestellt.
Die neuesten Informationen zur von Haus- und Grundstückseigentümern ungeliebten Dichtheitsprüfung privater Grundstücks-entwässerungsleitungen stellte Dipl.-Ing. Ludger Wegmann, Stadtwerke Essen, vor. Nachdem die politischen Parteien im Landtag NRW die derzeit noch gültige Regelung des § 61 a Landeswassergesetz, das private Entwässerungsleitungen bis zum 31.12.2015 auf Dichtheit geprüft werden müssen, nach massivem Druck der Bürger neu regeln wollen, stellte er die inhaltlich abweichenden Vorschläge der Minderheitsregierung und der Oppositionsparteien vor. Mit einer abschließenden Entscheidung der Landespolitik zur Frage der Dichtheitsprüfung ist nach den Ausführungen Wegmanns voraussichtlich im Sommer diesen Jahres zu rechnen. Er empfahl daher, nur bei aktueller Besorgnis eines Rohrleitungsschadens die notwendigen Prüf- und Sanierungsarbeiten einzuleiten und ansonsten abzuwarten, bis eine neue verbindliche Regelung seitens der Landesgesetzgebung vorliegt.
Die professionelle und launige Moderation des bekannten WDR 2-Journalisten Tom Hegermann verband wie in den Vorjahren die thematisch sehr unterschiedlichen Fachvorträge, wobei der Moderator mit eigenen Erfahrungen rund um die Immobilie seiner Familie aufwarten konnte. Nach dem Kongress standen die Veranstaltungspartner Sparkasse Essen, Stadtwerke Essen, Polizei und Haus & Grund in der Halle 6 den Zuhörern sowie Messebesuchern der „Haus – Garten – Genuss“ bis zum 12. Februar zur Kontaktaufnahme und vertiefenden Nachfragen zur Verfügung.
W. Weskamp
|